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14.03.2021 Gründung des Vereins "Freckenhorster Bürgerhaus"

Fotos: Bürgerhaus - alte und neue Ansicht

Die Glocke 01.05.2021

Ein Ort für alle Freckenhorster

Von Rita Kleigrewe

Freckenhorst (gl). Mit seinen weißen Fachwerkwänden, dem mächtigen holzverkleideten Giebel und der großen einladenden Deelentür ist es ein Blickfang im Kern der Stiftsstadt. Doch das aufwändig restaurierte historische Ackerbürgerhaus aus dem 16. Jahrhundert ist viel mehr als ein Schmuckstück, es ist auch ein gemütlicher Treffpunkt und ein beliebter Ort der Kultur - dafür trägt seit 25 Jahren mit viel Engagement der Verein Freckenhorster Bürgerhaus Sorge.

 

 

Im Jahr 1989 hatte die Stadt Warendorf das stark renovierungsbedürftige Gebäude aus Privathand gekauft und für rund 1,4 Millionen D-Mark denkmalgerecht restaurieren lassen. "Da hat der damalige Denkmalpfleger der Stadt, Egon Klaus, sein Meisterstück abgeliefert", lobt Peter Marberg, der das Projekt von Beginn an verfolgt hat. Und auch Architekt Horst Pawlowski sowie die Handwerker hätten manche Herausforderung bravourös gemeistert.

 

Doch als das Bürgerhaus am 16. Dezember 1995 den Freckenhorstern übergeben wurde, war noch nicht geklärt, wer die Trägerschaft übernehmen sollte. Der Heimatverein hatte abgewinkt, weil der Aufwand zu hoch sei. "Also haben sich vom Bezirksausschuss inspiriert einige beherzte Männer getroffen und über die Gründung eines Trägervereins nachgedacht", erinnert sich Marberg, der auch nach einer Bürgerversammlung und der Ausarbeitung einer Satzung zum ersten Vorstand des Vereins Freckenhorster Bürgerhaus gehörte, der am 14. März 1996 offiziell gegründet wurde. Vorsitzender war damals Dr. Volker Gutberlet, sein Stellvertreter Alfons Averhoff. Mit dabei waren auch Hermann Röhrs, Marianne Reinker und als Beiratsvorsitzender Peter Horstmann, der Vater des heutigen Bürgermeisters.

 

Aufgabe des Vereins war und ist es, die Belegung und Bewirtschaftung des Hauses, das allen Freckenhorster Vereinen und Gruppen als Bürgerhaus offen steht, zu regeln und selbst kulturelle Veranstaltungen verschiedenster Art zu planen und durchzuführen. Besonders wichtig: Das Bürgerhaus sollte sich selbst tragen. "Wir haben immer sehr darauf geachtet, dass wir alle Kosten inklusive der Hausmeisterarbeiten aus den Einnahmen bestreiten konnten. Und ein paar Investitionen in die Ausstattung waren auch immer drin", betont Peter Marberg, der heute als "Vereinsfossil und Quotenmann", so seine augenzwinkernde Selbstbeschreibung, den Verein führt.

 

Von Nachbartreffen bis hin zur Trauung

Freckenhorst (rik). Kaffeetrinken, Geburtstagsfeiern, Jubelhochzeiten, Erstkommunionen, Frühschoppen, Treffen der Nachbargemeinschaften - vor allem in den ersten Jahren wurde das Freckenhorster Bürgerhaus intensiv privat genutzt. "Manchmal waren es drei oder vier Veranstaltungen an einem Wochenende", erinnert sich Marberg. Doch weil das auf Dauer zu Konflikten mit der Nachbarschaft führte, wurde die Zahl dieser Aktivitäten zurückgefahren. Außerdem erhebt der Verein seit einigen Jahren auch für Vereine und gemeinnützige Organisationen eine kleine Betriebskostenpauschale für die Nutzung.

 

Trotzdem herrscht im Bürgerhaus - wenn nicht gerade die Corona-Pandemie das öffentliche Leben lahmlegt - reger Betrieb. Neben dem kulturellen Programm, das der Vereinsvorstand organisiert, finden an der Gänsestraße unter anderem regelmäßig politische Sitzungen des Bezirksausschusses, Seminare des Kreisjugendamts und Kreativangebote für Kinder im Rahmen der Ferienspieltage der Stadt Warendorf statt.

Fotos: Bürgerhaus - Ferienspieltage - Freckenhorster Herbst

Seit einigen Jahren sind im Bürgerhaus auch standesamtliche Trauungen möglich. Ein Angebot, das jährlich 15 bis 20 Paare nutzen. Einmal im Jahr lockt außerdem eine Kunsthandwerksbörse Interessierte an und beim Freckenhorster Herbst gibt es traditionell einen Tag der offenen Tür, bei dem Flohmarktbummler bei Kaffee und Kuchen oder dem legendären Leberkäs im Brötchen ein bisschen vom Trubel verschnaufen können.

Kultur spielt eine wichtige Rolle

Freckenhorst (rik). Eine ganz wichtige Rolle im Programm des Bürgerhauses spielt die Kultur. "Im Schnitt organisieren wir zehn bis 14 Veranstaltungen pro Jahr und kommen dabei auf 250 bis 300 Besucher" erläutert Paula Rose, die Stellvertretende Vorsitzende des Vereins. Dabei versuche das Team, möglichst regionalen Gruppen und Personen die Möglichkeit zu einem Auftritt zu geben. Im Mittelpunkt stehen dabei Konzerte, aber auch Vorträge in Wort und Bild, Lesungen und Ausstellungen gehören zu den Angeboten.

Fotos: Bürgerhaus

Lesung Katrin Heinrichs        Alacoustic               Ausstellung Mechthild Darquenne

05.09.2018                           06.04.2019            06.10.2019

Probleme, geeignete Künstler zu finden, gebe es keine, erklärt Peter Marberg. "Wir vereinbaren angemessene Honorare und bemühen uns sehr um eine gute Betreuung", sagt er. Führend aktiv ist dabei Vorstandsmitglied Karin Wichmann, die gute Kontakte in die Szene pflegt und neben der familiären Atmosphäre ein Hauptgrund dafür ist, dass Künstler immer wieder gern ins Freckenhorster Bürgerhaus kommen und hier auch schon mal ihre neuen Programme testen.

 

"Das ist das Schöne an unserer Vorstandsarbeit", schwärmt Paula Rose. "Jeder kann sich nach seinen Vorlieben und Stärken einbringen. Wir ergänzen uns gut und deshalb macht das Engagement auch so viel Spaß." Nur einige jüngere Leute würden fehlen, räumt sie ein. "Das würde das Programm noch bunter machen."

 

Finanziert wird das Kulturprogramm ausschließlich aus Eintrittsgeldern und den Jahresbeiträgen der rund 150 Mitglieder des Vereins. "Im Schnitt arbeiten wir bei den Veranstaltungen kostendeckend", stellt Marberg fest. In diesem und im vorigen Jahr wurde allerdings darauf verzichtet, die Jahresbeiträge einzuziehen. "Finanziell sind wir solide aufgestellt und wenn keine Veranstaltungen stattfinden, dann nehmen wir auch kein Geld", sagt er und dankt den treuen Mitgliedern dafür, dass es im Corona-Jahr keine Austritte gab.

 

Gerne hätte der Verein in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen gefeiert. "Das Jubiläumsprogramm stand schon seit dem Frühjahr 2020", erzählt Paula Rose. Doch Corona hat den Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Wir hoffen, dass es im Bürgerhaus bald weitergehen kann", betont Peter Marberg.

Westfälische Nachrichten 01.05.2021

Jubiläumsfeier war schon vorbereitet

von Joke Brocker

 

FRECKENHORST. Daran, dass der Verein Freckenhorster Bürgerhaus auch das Corona-Jahr überstehen wird, hat dessen Vorsitzender Peter Marberg keinen Zweifel. Dass der Verein allerdings seinen 25. Geburtstag in diesem Jahr so feiern kann, wie ursprünglich geplant, hält er für fraglich.

"Wir hatten das Programm schon fertig", erzählt Marbergs Stellvertreterin Paula Rose. So seien Konzerte mit Nic und Jan Koray sowie Alacoustic, quasi die Bürgerhaus-Band um Marie Meibeck, geplant gewesen. Ferner eine Lesung mit Beate Osthues, Maria Tönne und "Kleine Töne", eine Ausstellung mit Werken ehemaliger Aussteller und eine offizielle Feier mit geladenen Gästen Mitte März.

Frauen und Männer der ersten Stunde sollten dazu eingeladen werden, Bilder und Videos hätten Erinnerungen an ein Vierteljahrhundert Bürgerhausverein wachrufen sollen.

 

Der Grundstein zur Gründung des Vereins liegt bereits 26 Jahre zurück. Damals, 1995 wurde das frisch restaurierte Bürgerhaus an der Gänsestraße eröffnet. Ende der 1980-er Jahre hatte die Stadt Warendorf Alfred Bergermann das Haus abgekauft. Längst waren die letzten Bewohner, die Familie Hennemann, ausgezogen. Das Haus stand leer. Für die Sanierung habe die Stadt damals erhebliche Fördermittel, rund 1,5 Millionen D-Mark, erhalten, erinnert sich Marberg.

Dass das Gebäude, eigentlich ein Mehrfamilienhaus mit zwei Kaminanlagen, getreu der historischen Nutzung rekonstruiert wurde, ist Egon Klaus vom Amt für Denkmalschutz, und dem Freckenhorster Architekten Horst Pawlowski zu verdanken. Beide hätten hier ihre "Meisterstücke" abgeliefert, findet Marberg. Auch für die Handwerker sei die Restaurierung des Fachwerkhauses eine Herausforderung gewesen.

 

Auch wenn sich Harald Nilles, scherzhaft der "Stadtdirektor von Freckenhorst" genannt, als erster Verwalter des Hauses betätigte, sei sehr bald klar gewesen, dass das Gebäude in die Trägerschaft einer Organisation übergeben werden sollte. "Erste Wahl war der Heimatverein", erinnert sich Marberg. Doch dessen damaliger Vorsitzender, Friedel Rose, habe abgewinkt. Daher hätten ein paar "inspirierte Männer aus dem Bezirksausschuss" einen Trägerverein ins Leben gerufen, der sich eine Satzung gab und zu zwei Bürgerversammlungen einlud. Ein Nutzungsvertrag des "Arbeitskreises Bürgerbegegnungsstätte" legte 1995 fest, dass das Haus auch für eine privatwirtschaftliche Nutzung zur Verfügung stehen sollte. Zum Unmut der Wirte übrigens, die eine Art Schwarzgastronomie befürchteten.

1996 übernahm der Verein, von der Stadt mit einer Anschubfinanzierung in Höhe von 10 000 Mark unterstützt, das Haus. Erster Vorsitzender des neu gegründeten Bürgerhausvereins wurde Dr. Volker Gutberlet, zweiter Vorsitzender Alfons Averhoff. Den Vorstand komplettierten Hermann Röer, Marianne Reinker, Peter Marberg und als Beiratsvorsitzender Peter Horstmann, Vater des heutigen Bürgermeisters.

 

In den ersten Jahren sei das Haus intensiv auch privat genutzt worden, so dass der Verein alle Kosten, einschließlich Hausmeisterkosten, aus den Einnahmen bestreiten und Investitionen in Bestuhlung oder dämmende Vorhänge im Eingangsbereich tätigen konnte.

Im Laufe der Jahre sei die private Nutzung, die leider auch immer wieder zu Konflikten mit den Nachbarn führte, zwar zurückgegangen, aber für Frühschoppen, Kinderkommunionen, Kaffeetrinken der Nachbargemeinschaften oder Geburtstage von Menschen im reiferen Alter würden hier immer noch gerne gefeiert, erzählen Marberg und Rose. Die Ferienspieltage, organisiert von Mechthild Pawlowski finden in dem Fachwerkhaus ebenso statt wie einmal jährlich die SPD-Hobbybörse. Außerdem ist das Haus während des Freckenhorster Herbstes eine beliebte Anlaufadresse für Familien, die hier bei Kaffee, Kuchen oder Leberkäse eine Pause einlegen. Das Kreisjugendamt nutze das Haus, in dem die historisch-kulinarischen Stadtrundgänge der Werbegemeinschaft ihren Abschluss finden, für Seminare für Pflegeeltern. Auch Bezirksausschuss-Sitzungen finden hier gelegentlich statt. Außerdem wird das Haus für standesamtliche Hochzeiten genutzt. "15 bis 20 Trauungen im Jahr finden hier statt", schätzt Marberg. Bis vor sieben oder acht Jahren habe man allen Vereinen das Haus kostenfrei zur Verfügung gestellt, berichtete er. Inzwischen erhebe man eine Betriebskostenpauschale, die allerdings unterhalb der Selbstkosten liege.

 

Von Anfang an habe auch festgestanden, dass das Haus einer kulturellen Nutzung zugeführt werden sollte. Musikveranstaltungen und Lesungen sollten möglichst von regionalen Gruppen und Einzelpersonen bestritten werden. So hielten unter anderen Klaus Gruhn, Franz-Josef Risse und Theo Zwoll Vorträge. Es gab Lesungen mit Beate Osthues und Maria Tönne, außerdem Weinproben. "Wir hatten auch einmal eine Lesung mit Kehrer", erinnert sich Paula Rose. Der Verein organisiere zwischen zehn und 14 Veranstaltungen im Jahr mit, bezogen auf alle Veranstaltungen, 250 bis 300 Besuchern, weiß Peter Marberg. Die meistbesuchte Veranstaltung sei der Vortrag von Dr. Thomas Cierpka gewesen, der von seinen Erlebnissen als Schiffsarzt berichtete. Marberg: "Wir hatten 80 Besucher im Haus und dazu 20 Stehplätze. Draußen vor der Tür stand wutschnaubend die gleiche Anzahl an Besuchern, die wir wegschicken mussten".

 

Bei der Auswahl der Künstler, die das familiäre Ambiente schätzen und laut Marberg gerne wiederkommen, verlässt sich das Vorstandsteam auf "Künstlerchefin" Karin Wichmann, die die auftretenden Künstler nicht nur fair bezahlt, sondern auch hegt und pflegt. Stark frequentiert würden die Ausstellungen von Malern und Bildhauern. "Einige Exponate haben wir erworben und so eine kleine eigenen Kunstsammlung angelegt", erzählt "Vereinsfossil" Peter Marberg.

Er hatte vor fünf Jahren den Vorsitz übernommen, nachdem die Frauen im Vorstandsteam dem "Quotenmann" versprochen hatten, dass er nur da zu sein habe und die Arbeit schon erledigt werde. Zuvor hatte Horst Wohlgemnuth den Vorsitz acht Jahre innegehabt. Seine Vorgängerin war Marianne Reinker, die das Amt zehn Jahre bekleidete und von Volker Gutberlet übernommen hatte.

 

Im Jubiläumsjahr hat der Verein 150 treue Mitglieder, die während der Coronazeit keine Mitgliedsbeiträge zahlen müssen.